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Genussradweg Oberdrautal Vom Nationalpark bis ans Meer

Der Alpe-Adria-Radweg lädt zu einer Kreuzfahrt auf Rädern. Er verbindet die beiden Sehnsuchtsziele Berge und Meer – mit dem Fahrrad ist man schnell genug unterwegs, um beachtliche Strecken zurückzulegen, aber gemächlich genug, um alles aufnehmen zu können.

Ein unvergessliches Erlebnis ist der 416 Kilometer lange Alpe-Adria-Radweg. Von der Mozartstadt Salzburg ausgehend, fährt man in einer Woche mitten durch den Nationalpark Hohe Tauern in den sonnigen Süden nach Kärnten und über die österreichische Grenze nach Italien. Die Strecke innerhalb von Kärnten ist besonders attraktiv, da sie ab der Tauernschleuse in Mallnitz überwiegend abschüssig bis zum Meer nach Italien führt. Das Wechselspiel der Landschaft ist ebenfalls einzigartig: mächtige Berge, sonnige Seentäler – und je weiter man in den Süden gelangt, desto sanfter und lieblicher wird die Landschaft, bis man schließlich die Füße in die Obere Adria strecken kann. Doch bis es so weit ist, führt die Route ab Tarvis auf die für viele Radfahrer schönste Radstrecke Europas – und zwar auf die aufgelassene Trasse der alten k. u. k. Bahn. Zurück Richtung Norden geht es gemütlich mit dem Zug, welcher fast den gesamten Alpe-Adria-Radweg begleitet und zweimal täglich ab Udine fährt.

Groppensteinschlucht in Obervellach-MölltalDer Alpe-Adria-Radweg ist aber nicht nur ein schönes Beispiel für die gute Zusammenarbeit der drei Länder Salzburg, Kärnten und Friaul-Julisch Venetien. Er gilt auch als praktisches Beispiel dafür, wie man von Kärnten aus Kultur und Kulinarik dreier Länder binnen nur weniger Tage kennenlernen kann. Heute die alpine Salzburger Küche auf der Zunge zergehen lassen, morgen die Kärntner Alpen-Adria-Cuisine, die vom Schwerpunktthema Fisch geprägt ist, in Villach genießen, und am nächsten Tag italienische Köstlichkeiten in der Trattoria in Tarvis oder Udine probieren. Immer inklusive: die gelebte Gastfreundschaft und die Möglichkeit, regionsabhängige Mentalitäten, Vorzüge und Besonderheiten zu entdecken.

Als Interreg-Projekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg“ wurde der Alpe-Adria-Radweg zur „Europäischen Radroute des Jahres 2015“ gewählt. Bewertet wurden die Radwege von einer aus renommierten niederländischen Radjournalisten und Herausgebern von Radtouren-Guides bestehenden Jury.

Interview

Paco Wrolich war 15 Jahre Profiradrennfahrer in Deutschland bei den Teams Gerolsteiner und Milram. 2010 hat er seine aktive Karriere beendet, heute ist er bei der Kärnten Werbung für den Radsport generell und damit auch den Alpe-Adria-Radweg zuständig.

Paco Wrolich war 15 Jahre Profiradrennfahrerbesser REISEN: Sie waren maßgeblich an der Entwicklung des Alpe-Adria-Radwegs beteiligt. Stellen Sie uns das fertige Projekt doch bitte kurz vor.

Es ist dies einer der schönsten Radwege von internationaler Relevanz in Europa. Er verbindet mit Start in Salzburg und Ziel in Grado das hochalpine Gelände der Alpen mit dem Meer.

besser REISEN: Woher stammt die Idee, und wie lange hat es bis zur Realisierung gedauert?

Die Idee haben die Länder Friaul-Julisch Venetien, Salzburg und Kärnten gemeinsam kreiert und mittels Interreg-Projekt umgesetzt. Vor allem Abschnitte in Italien mussten ganz neu gebaut werden. 2013 war das Projekt dann abgeschlossen. Ganz fertig wird es wohl nie werden, da immer noch gewisse Abschnitte (speziell in Italien) nicht fertig gebaut sind.

besser REISEN: Wie oft sind Sie diese Strecke schon selbst gefahren?

Ich fahre die Strecke immer wieder ab, damit ich am neuesten Stand bin. Generell schaue ich mir diverse Abschnitte mehrmals jährlich an. Gerade jetzt wird wieder ein alter Tunnel der k. u. k. Bahn auf der Höhe von Venzone fertig gestellt und als Radweg genutzt, den befahre ich die nächsten Tage.

besser REISEN: Welches sind Ihre Highlights?

Einer der schönsten Abschnitte ist für mich der zwischen Tarvis und Venzone, der über die ehemalige k. u. k. Bahntrasse durch etliche Tunnel führt. Wobei: Die Abschnitte in Kärnten entlang von Möll, Drau und Gail stehen dem eigentlich um nichts nach. Meine Lieblingsetappe ist jedenfalls Mallnitz–Villach.

besser REISEN: Welches Erlebnis am Rande des Wegs hat Sie am meisten beeindruckt?

Vor allem kulinarisch hat der Radweg irrsinnig viel zu bieten. Drei verschiedene Kulinariken, die sich grundlegend unterscheiden und von denen jede für sich wunderbar ist. Und dann natürlich die geografische Kulisse: vom Hochgebirge zum Meer. Dies ist einfach fantastisch. Und dass man in Kärnten permanent Wasser neben sich hat, ist ebenfalls einzigartig schön.

besser REISEN: Sie waren Profi, für Sie ist die Strecke ein Einfaches. Wie groß sind die Herausforderungen aber für den Amateur?

Ich fahre gewisse Etappen mehrmals im Jahr mit meiner Familie ab. Auch mein Kleinster (fünf Jahre) schafft eine Tagesetappe von 40 bis 50 Kilometern relativ locker, da es ja fast permanent bergab geht. Somit ist der Alpe-Adria-Radweg absolut familienfreundlich und nicht nur für ehemalige Radrennprofis geeignet …

besser REISEN: Rennradler oder Mountainbiker – wer fühlt sich am Alpe-Adria-Radweg wohler?

Am wohlsten fühlt sich sicher der Genussradler. Aber auch mit dem Rennrad ist er ein Genuss. Der Mountainbiker wird wohl eher den Wald vorziehen!

besser REISEN INFO

Die Fakten

Per Zug geht’s durch die TauernschleuseDer „Ciclovia Alpe Adria Radweg“ führt von Salzburg durch das Salzachtal und das Gasteinertal nach Böckstein. Von hier geht es in einer elfminütigen Zugfahrt nach Mallnitz und erneut mit dem Rad auf eigenständigen Radwegen (R8, R1, R3) quer durch Kärnten nach Spittal a. d. Drau, Villach und Arnoldstein an die österreichisch-italienische Grenze. Auf italienischem Boden führt die Route – teils auf aufgelassenen Bahnstrecken – über Tarvis, Gemona, Udine und Aquileia bis nach Grado am Adriatischen Meer.

Gut zu wissen

Gesamtlänge: 416 km, davon 210 in Österreich und 206 in Italien, aufgeteilt auf 8 Etappen à 40–60 km. Gutes Kartenmaterial ist vorhanden, weitere Informationen sowie Packages finden Sie unter www.alpe-adria-radweg.com sowie auf einer eigenen Alpe-Adria-Radweg-App.

Sämtliche Radrouten in Kärnten sind auf www.kaernten.at/rad zusammengefasst und können hier auch heruntergeladen werden.


Text:
Redaktion
Fotos: Kärnten Werbung/Paco Wrolich (1), Franz Gerdl (2), HT-NPR, K. Dapra (1)