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abendsonne afrika 02Auf Augenhöhe

Die letzten Berggorillas leben zurückgezogen in den Regenwäldern des Virunga-Massivs im Herzen Afrikas. Der Weg zu ihnen ist nicht ohne Mühe, doch die Begegnung mit den schwarzen Riesen entschädigt tausendfach.

Die letzten Minuten unseres Aufstiegs zu den Gorillas geht es querfeldein. Mitten im Regenwald des Bwindi Nationalparks schlägt unser Ranger mit der Machete eine Wegschneise, um an den momentanen Aufenthaltsort der Berggorillas zu gelangen. Mein Herz pocht schneller, nicht nur von der Anstrengung … Aufgeregte Spannung macht sich breit – wir kommen den Berggorillas näher und näher. Plötzlich bricht ein schwarzer Schatten aus dem Dickicht hervor. Neugierig blickt uns die Gorilladame mit ihren aufmerksamen schwarzen Augen an. Beim ersten Blick auf dieses beeindruckende Geschöpf stockt uns der Atem. Es ist einfach überwältigend.

Die Gorilladame jedoch fühlt sich nicht weiter gestört, Blätter und Blüten fressend und vor sich hin kauend blickt sie ruhig in unsere Richtung. Inmitten von Riesenfarnen und blühenden Büschen kommen weitere Tiere der Gorillagruppe hinzu. Angst haben sie nicht, sie kennen die Menschen – denn Besucher werden nur zu habituierten (an Menschen gewöhnte) Gorillagruppen geführt. Acht dieser Gruppen gibt es im Bwindi Nationalpark. Insgesamt schätzt man, dass hier 28 Gruppen leben, also die meisten davon wild. Wir haben unsagbares Glück, denn wir treffen gleich auf zwei der Gorillagruppen, die sich hier wohl verabredet haben. Insgesamt 25 Tiere mit zwei Silberrücken (erwachsene, männliche Gorillas mit typischer Fellfärbung) sowie einem frisch geborenen Gorillababy blicken in diesem Moment auf uns.

Die Gorillamutter hält ihr Neugeborenes liebevoll im Arm und schaut es – wie es scheint – glücklich und zufrieden an. Während Michael diese Szene auf Film festhalten will, kommt ein Silberrücken aus dem Dickicht und scheint ungemein etwas dagegen zu haben, dass wir ihm unwissentlich zu nahe gekommen sind. Er schnaubt ziemlich laut und aggressiv, macht zwei Meter vor Michael halt und bewirft ihn mit Erde. Wie zuvor vom Ranger beigebracht bekommen, senkt Michael sofort seinen Kopf, um dem Chef der Gruppe ja nicht in die Augen zu schauen. Und ich muss schmunzeln, als ich sehe, dass alle Gorillamitglieder in unmittelbarer Umgebung genau das Gleiche tun. Als sei es eine Entschädigung nach dem Schreck, kommt zehn Minuten später ein Schwarzrücken aus dem Wald und läuft von hinten auf Michael zu. Ich rufe ihm noch zu: „Dreh dich um, hinter dir kommt jemand“, da setzt sich der Schwarzrücken direkt neben ihn. Schulter an Schulter sitzen sie da, und es wirkt wie ein Ausdruck der Verbundenheit. Ja, die Berggorillas sind schon eigenartige, sanftmütige Geschöpfe.

Wahre Urwälder

Weltberühmt wurden die Berggorillas durch den Film „Gorillas im Nebel“, der Verfilmung des außergewöhnlichen Lebens der Forscherin Dian Fossey. Sie hatte seinerzeit das Leben der Berggorillas in Ruanda erforscht und auf das Schicksal der stark bedrohten Geschöpfe aufmerksam gemacht: Die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Die letzten ihrer Art leben in den Ausläufern der Ur- und Regenwälder in den Vulkanbergen des Virunga-Massivs zwischen Uganda, Ruanda und dem Kongo. Nach jüngsten Zählungen gibt es nur noch 720 Berggorillas, davon ca. 340 im Bwindi Nationalpark in Uganda, der wie der Virunga Nationalpark im Kongo von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde.

Der Bwindi Nationalpark im Übergangsgebiet von der Steppe zum Bergland ist nur schwer zugänglich, dafür besticht er nebst Gorillabegegnungen auch mit einzigartiger Artenvielfalt an Flora und Fauna. Über 100 Arten von Farngewächsen sind hier heimisch, und etwa 160 Baumarten bilden den Bergwald des Nationalparks. Seit der letzten Eiszeit konnte sich die Pflanzenwelt ungestört entfalten, die Wälder des Bwindi Nationalparks gehören daher zu den ältesten und ursprünglichsten Afrikas. Von den hier bisher nachgewiesenen rund 300 Vogelarten machen die Waldvögel etwa zwei Drittel aus. Dazu gibt es noch in etwa 200 Schmetterlingsarten, von denen acht endemisch (nur hier vorkommend) sind. Auch ca. 120 Säugetierarten leben in dem Nationalpark.

abendsonne afrika tBlick in die Seele

Wir haben im Moment aber nur Augen für die Gorillas. Fasziniert blicken wir in die Richtung der sanften Riesen. Es erscheint uns wie eine fremde Welt. Hier in der „Perle Afrikas“, wie Winston Churchill einst Uganda bezeichnete, mitten im Bwindi Regenwald, fernab jeglicher Zivilisation, haben wir beinahe das Gefühl, uns in einem Traum zu befinden – so atemberaubend ist dieser Moment.

Schon vor dem Aufstieg zum momentanen Fress- und Aufenthaltsplatz der Berggorillas, den Ranger schon frühmorgens ausfindig gemacht haben, bekommen die Besucher einen Steckbrief mit den Namen und Gesichtern der einzelnen Mitglieder der Gorillagruppe, die von ihnen besucht wird. Schon hier erkennt man, dass jeder Berggorilla ein Unikat ist. Insgesamt dürfen pro Gruppe nur acht Besucher zu den Gorillas, maximal 64 Besucher am Tag. Der Aufstieg beginnt auf einem ausgetretenen Pfad. Etwa ein bis vier Stunden wird durchs Gelände marschiert, wie bei uns auf etwas steileren Waldwegen, bevor es die letzten Meter mitten durch den Wald geht. Doch die Strapazen des Aufstiegs sind schnell vergessen, sobald man die Gorillas aus nächster Nähe erblickt. Ob mächtiger Silberrücken, Weibchen oder Jungtiere – sie alle haben einen Blick, der tief ins Herz dringt.

Eine Stunde dürfen die Touristen bei den Gorillas verbringen, um die Tiere nicht zu langen Stresszeiten auszusetzen und diese nicht mit unseren Zivilisationskrankheiten anzustecken. Insbesondere Erkältungskrankheiten sind oftmals für den Tod von Berggorillas verantwortlich. Daher sollte auch niemand, der an einer starken Erkältung leidet, zu den Berggorillas gehen und lieber im Camp bleiben. Was eine Begegnung allerdings nicht gänzlich ausschließt: Ab und an finden Berggorillas im Bwindi doch tatsächlich ihren Weg bis ins Gorilla Forest Camp, wo sie neugierig durchs Fenster blicken. Es scheint fast so, als wollten diese Wesen auch etwas über uns erfahren.
Nun, ich war schon sehr oft bei den Berggorillas, sowohl auf der Ruanda- als auch auf der Uganda-Seite, aber dennoch wird mein Herz jedes Mal von neuem mit Freude erfüllt. Es gibt kaum etwas Faszinierenderes als den alles durchdringenden Blick eines Berggorillas, der direkt in die Seele zu schauen scheint.

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„Auf den Spuren der Gorillas“ – 12 Tage zu den Berggorillas in Uganda

Im Mittelpunkt der Privatreise steht das Gorillatracking im Bwindi Nationalpark. Abgerundet wird das Programm durch einen Besuch der Murchison Falls im gleichnamigen Nationalpark, ein Schimpansentracking im Kibale Forest Nationalpark sowie Pirschfahrten im Queen Elizabeth Nationalpark. Wer noch mehr Zeit mitbringt, dem bieten sich diverse Verlängerungsmöglichkeiten wie Entspannung am Lake Victoria oder eine Safari durch den Kidepo Valley Nationalpark im Norden Ugandas. Als Variante lassen sich das Gorillatracking sowie Verlängerungsmöglichkeiten in Ruanda erleben. Rundreise mit qualifizierter englischer Reiseleitung (Deutsch auf Anfrage) inklusive Unterkünfte und Verpflegung, Pirschfahrten, Schimpansen- und Gorillatracking sowie Eintritte ab/bis Entebbe ab € 3.429,- pro Person.

Abendsonne Afrika, Tel. +49 7343 929 98-0, www.abendsonneafrika.de


Text:
Liane Merbeck
Fotos: Abendsonne Afrika/Jürgen Ritterbach

 

 
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